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Historie

Nach dem Zweiten Weltkrieg werden in Baden-Württemberg hervorgehend aus den „Evangelischen Eheberatungsstellen“ ab 1947 erste „Beratungsstellen für Familien und Erziehungsfragen“ gegründet. In Ulm entsteht 1954 das Konzept einer „Integrierten psychologischen Beratungsstelle“, in der neben ehrenamtlichen Mitarbeitern auch hauptamtliche Psychologen beschäftigt werden. Erziehungs- und Jugend-, Ehe- und Paar- sowie Lebensberatung finden seitdem in einer Stelle ihren Platz.

In den sechziger Jahren beginnt die enge Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen dort ihre Aus- und Fortbildung in Ehe- und Lebensberatung. Ebenso eng ist die Verbindung der Beratungsstelle zu psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Ausbildungseinrichtungen. Ab Anfang der achtziger Jahre öffnet sich der bis dahin vor allem tiefenpsychologische Ansatz mit der Anstellung von Familientherapeuten, die Mitarbeiter arbeiten zunehmend methodenintegrativ und im multiprofessionellen Team aus Psychologen, Sozialpädagogen und Pädagogen zusammen.

Ab den neunziger Jahren beschäftigen die Beratungsstelle vor allem zwei Themen: die zunehmende Nachfrage in der Erziehungsberatung durch gesellschaftliche Veränderungen und die immer enger werdende finanzielle Situation aufgrund wegfallender Mittel durch den Landeswohlfahrtsverband. 1994 nahmen wir trotz knapper Mittel die Arbeit in unseren ersten Außenstellen in Blaubeuren und Langenau auf, um noch näher bei den Menschen vor Ort zu sein.

1997 gelingt es, die Psychologische Beratungsstelle in den neu entstehenden Diakonieverband Ulm/Alb-Donau zu integrieren und für die Erziehungsberatung Zuschüsse mit der Stadt Ulm und dem Alb-Donau-Kreis zu vereinbaren. In diesem Jahrzehnt müssen auch Stellen abgebaut werden. Die Fallzahlen nehmen gleichzeitig bis heute zu, dies ist nur möglich, indem wir die Sitzungszahlen je Ratsuchendem begrenzen. Es muss also gelingen mit weniger Zeit immer mehr Menschen gerecht zu werden.

Im Jahr 2000 kommt eine dritte Außenstelle in Laichingen hinzu. Die Hauptstelle zieht im gleichen Jahr um von der Böblinger Straße in den Grünen Hof, direkt ins Dienstleistungszentrum des Diakonieverbandes.

2005 wird der Landeszuschuss für Ehe-, Familien- und Lebensberatung ersatzlos gestrichen, zeitgleich kürzen die Kommunen ihre Zuschüsse zur Erziehungsberatung um 10%, von ehemals 9,7 Planstellen im Jahr 1995 für Erziehungsberatung im Alb-Donau-Kreis und der Stadt Ulm bleiben nur 5,9 erhalten, für die Ehe- Familien- und Lebensberatung (EFL) stehen keinerlei öffentliche Zuschüsse mehr zur Verfügung. Im Jahr 2006 gründet sich deshalb der „Förderkreis der Psychologischen Beratungsstelle“ und sichert seitdem die Fortsetzung der EFL über Spendeneinnahmen und mit hohem persönlichem Engagement.

Inhaltlich entwickelt sich das Angebot der Psychologischen Beratungsstelle mit den gesellschaftlichen Veränderungen ab der Jahrtausendwende weiter. Durch Sprechstunden in Kindergärten des Alb-Donau-Kreises, Beteiligungen an Familienzentren und erhöhte Präsenz in den Sozialräumen der Stadt Ulm versuchen wir die Schwelle für die Inanspruchnahme der Beratung weiter zu senken. Zeitgleich werden wir eingebunden in Aufgaben des Kinderschutzes, bieten wir immer mehr Gruppen für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien an und nehmen die „Entwicklungspsychologische Beratung“ als zusätzliches Angebot für Mütter und Väter mit Kleinkindern und Säuglingen in unser Leistungsspektrum auf. Wir bieten als „insofern erfahrene Fachkräfte“ Fachberatungen bei fraglicher Kindeswohlgefährdung Beratung für Institutionen an und engagieren uns über den „Ulmer Weg“ in der Beratung hochstrittiger Elternpaare. Durch den Förderkreis gelingt es seit 2010 ca. eine 50% Stelle im Bereich EFL besetzt zu halten.

In den letzten Jahren beschäftigte uns neben diesen Entwicklungen ein Generationenwechsel im Team. Jahrzehntelange gemeinsame Berufskarrieren gehen zu Ende, neues Personal muss gewonnen werden. Das Projekt „Psychologische Beratung für Ältere und deren Angehörige“ entstand im Jahr 2011 als Versuch unseren Beitrag zu den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu leisten. Auch dieses Projekt kämpft mit den Hürden einer festen Finanzierung. So sind wir froh, dass wir für diese besondere Form der Beratung, die auch aufsuchend erfolgt, im Jahr 2015 einen Zuschuss von der Stadt Ulm erhalten.

Wir sind dankbar, dass wir im Diakonieverband einen verlässlichen Träger und ein zu Hause gefunden haben, der uns mit seinem vielfältigen Angebot Möglichkeiten zu neuer Vernetzung bietet und schließlich die fehlenden 50% der Kosten trägt, die von der öffentlichen Hand nicht refinanziert werden.