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Beratung für Ältere und deren Angehörige

Übergang in den Ruhestand, Einsamkeit, Krankheit, Verlust von Angehörigen, eigene Endlichkeit und damit einhergehende Ängste und Sorgen sind häufige Themen, die uns im Alter begegnen.

Aufbauend auf ein Projekt haben wir uns auf die Beratung von älteren Menschen und deren Angehörige spezialisiert. Gerne beraten wir Sie in Ulm auch aufsuchend, besuchen Sie also zu Hause, wenn Sie nicht mehr zu uns in die Beratungsstelle kommen können. Für diese wichtige Arbeit werden wir von der Stadt Ulm zusätzlich bezuschusst.

Wir kooperieren in diesem Zusammenhang eng mit der Diakonischen Bezirksstelle und dem dort angesiedelten ProjektDEMENZ, in dem auf besondere Art und Weise Menschen mit dieser Erkrankung geholfen wird.

 

Beispiel Paarberatung eines älteren Paares*

Paarberatung (Beide sind über 75 Jahre alt und über 50 Jahre verheiratet)

Es fanden bisher insgesamt 14 Sitzungen in den letzten 14 Monaten statt. Am Anfang alle 2-3 Wochen, später in größeren Abständen. Von den 14 Beratungen war in der Anfangsphase je eine Sitzung mit nur einem Ehepartner.

Die Ehefrau meldet sich und ihren Mann wegen Kommunikationsprobleme in der Ehe in der Beratungsstelle an.

Im Erstgespräch schildert sie ihre hohe Belastung durch die Alkoholprobleme ihres Mannes. Der Mann trinke, statt mit ihr zu reden. Trotz vieler Versprechen damit aufzuhören trinkt er heimlich weiter. Sie hat kein Vertrauen mehr zu ihm.

Er sieht das Problem weniger im Trinken als in der Beziehung selber. Seine Frau sei sehr distanziert und eiskalt ihm gegenüber. Sie leben seit 7 Wochen von Tisch und Bett getrennt und reden kaum ein Wort miteinander.

Themen die mit Hilfe verschiedener Methoden bearbeitet wurden waren:

  • eingespielte Kommunikationsmuster erkennen und Unterschiede einführen
  • Bedürfnisse und Wünsche erkennen und vermitteln
  • Konflikte utilisieren als wichtige Informationslieferanten für Bedürfnisse
  • Hoffnung und Liebe
  • Alkoholkonsum
  • Selbstbild und Fremdbild in der Partnerschaft
  • Aufgabenverteilung im gemeinsamen Haushalt
  • Nähe und Sexualität
  • Konflikte und Beziehungsgestaltung zu den erwachsenen Kindern
  • Umgang mit den verschiedenen Interessen / gemeinsame Interessen („Nein“ sagen und hören)
  • Vertrauen und Zuversicht

Im Verlauf der Beratung gab es immer wieder erfreuliche Durchbrüche, die von deprimierenden Phasen unterbrochen wurden. Hier galt es dem Paar Zuversicht zu vermitteln, auf bereits Gelungenes aufmerksam zu machen und die Krisen produktiv zu nutzen.

Exemplarisch möchte ich ein besonders heikles und sehr spannendes Kapitel in dieser Paarberatung hervorheben.

Nach Einschätzung des Mannes war die positive Entwicklung innerhalb ihrer Beziehung darauf zurückzuführen, dass seine Frau  sich sehr verändert habe. Er wollte sie damit loben und auch wertschätzen, dass es  ihr Verdienst sei, das es nun so gut liefe. Dies konnte die Ehefrau gar nicht annehmen, denn dies bedeutet für sie implizit, dass sie vorher verantwortlich für die Krise war.

Nun galt es vom Thema Schuld und Verantwortung zum Betrachten von Wechselwirkungen zu kommen.  Mit kreativen Methoden, die einen Außenblick auf ihre Beziehungsdynamik ermöglichten, konnten Muster erkannt und Unterschiede eingeführt werden, die sehr wirkungsvoll waren.

Inzwischen teilt dieses Paar wieder Tisch und Bett und genießt gemeinsame Aktivitäten aber auch Zeiten, die sie unabhängig voneinander gestalten. Sein Alkoholkonsum war in den letzten Beratungsgesprächen kein Thema mehr, da er normal trank und es zwischen dem Paar kein Thema mehr war.

Zur Beratung kommen sie in sehr großen Abständen (3-5 Monate) um gemeinsam mit einer dritten Person auf die Entwicklung innerhalb ihrer Beziehung zu schauen.

 

 

Beratungs-Beispiel: Die Geschichte von Frau B. (75 Jahre)*

Die Geschichte von Frau B. - Beratung für Ältere


Frau B., 75 Jahre, ruft in der Beratungsstelle an und gibt als Anmeldegrund Probleme in ihrer aktuellen Lebenssituation an. Schon im Erstgespräch stellt sich heraus, dass es um für sie ungelöste familäre Konflikte geht.
Ausgelöst durch eine Krebserkrankung im letzten Jahr wurde das Bedürfnis immer stärker, jemandem ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Der Wunsch von Frau B. ist es, zu erzählen und dabei Gefühle und Gedanken zulassen und ordnen zu können. In den Beratungsgesprächen gelingt es der Beraterin, durch aktives, achtsames Zuhören und eine wertschätzende Haltung eine Vertrauensbasis aufzubauen.
Frau B. bringt zu jeder Beratungsstunde alte Bilder, Briefe, Notizen mit und erzählt Erlebnisse aus ihrer Lebensgeschichte. Es gibt in ihrem Leben zwei Ereignisse, die sie bisher noch niemandem erzählt hat; Frau B.: „Ich möchte es Ihnen erzählen, aber das tue ich nur einmal und dann nie wieder!“
Die Klientin wird durch das Erzählen ihrer Lebensgeschichte emotional berührt, z.B. von Trauer, Schuldgefühlen, Schamgefühlen und Ängsten… Mit jeder Beratungsstunde wird Frau B. ruhiger und entspannter. Entlastung und Erleichterung werden im Beratungsverlauf, der acht Sitzungen umfasst, für die Beraterin deutlich spürbar. Frau B. findet in den Beratungsstunden Zeit und Raum, ihren Kummer, aber auch ihre glücklichen Erlebnisse zu erzählen. Denn wenn es gelingt, einige Erinnerungen, die mit Freude verbunden sind, ins Erleben zurückzuholen, ist es etwas leichter, sich den belastenden Erinnerungen zu stellen. Mit einem besseren Selbstwertgefühl kann man auch Scham- und Schuldgefühle besser zulassen und aushalten. Sie lernt in kleinen Schritten, ihre Gefühle und Gedanken zu sortieren, aufzuarbeiten und sich mit einigen Erlebnissen zu versöhnen.

* Alle Geschichten werden mit ausdrücklichem Einverständnis der Klienten und geänderten Namen veröffentlicht.